Beth Kustan (Bekusyone, Bakisyan, Alagöz)


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Das Dorf

Das Dorf Beth Kustan liegt etwa 28km nord-östlich von Midyat, der Kreisstadt entfernt, umgeben von fruchtbaren Feldern.
Obwohl Beth Kustan eines der interessantesten Dörfer Tur Abdins ist, findet es in den Schriften gegenwärtiger Autoren kaum Beachtung. Oft ist nur vom "Land zwischen Hah und Deyrkube" die Rede, wenn sie über diesen Ort berichten.

Der Name Beth Kustan oder Kustin taucht schon in frühen Annalen auf. Es heißt, die Armee Konstantins durchquerte mehrmals mitsamt ihren Pferden das Dorf Beth Kustan. Unweit des Dorfes liegt der "Shu'o d-Helane", ein Gestein, das nach Helena, der Mutter Konstantins benannt wurde. Einigen Legenden zufolge fand sie das heilige Kreuz Jesu in Palästina.

Es wird manchmal erzählt, dass Beth Kustan in vorchristlicher Zeit eine Herberge oder eine Raststelle für Reisende war. Im folgenden soll auf Beth Kustan näher eingegangen werden.

Die Landschaft

Kaum ein anderes Dorf in Tur Abdin verfügt über soviel Land wie Beth Kustan. Südlich des Dorfes befinden sich Höhlenkomplexe, die durch den Abbau des Kalkgesteins vergrößert wurden. Sie scheinen unendlich komplex zusein. Beim Abbau des Kalkgesteins wurden Gräber aus vorchristlicher Zeit freigelegt. Unterdessen tauchte beim Bau einer Strasse, etwa 1984, ein vom Pfeil durchbohrter Schädelknochen auf. Immer wieder trifft man auf Knochen, die jedoch aufgrund ihres Alters zerfallen. Die Gräber wurden zum Teil in den Gestein hineingehauen.

Die ”Berhemiye” liegt 2 km östlich vom Dorf. Die Mor Barsawmo-Kirche liegt auf einem Berggipfel, von dem aus man einen großartigen Rundblick über diese Gegend hat. Weinberge, Eichen und andere Fruchtbäume prägen das Bild der Landschaft.

Weiter nord-östlich von der "Berhemiye" auf der links gegenüberliegenden Bergseite befinden sich die “Harbe d-Mor Gabriel”, die Ruinen des Heiligen Gabriel, dem berühmtesten Sohn dieses Dorfes. Es handelt sich um ein Hof dessen Mauern aus felsenschweren Steinblöcken bestehen. Die Mauern sind lediglich etwa ein Meter hoch.

Von Beth Kustan aus erreicht man in süd-östlicher Richtung eine Gegend, die "Qasroke" genannt wird. Hier befindet sich vermutlich die Ruine eines sehr alten heidnischen Tempels. Die Bewohner von Beth Kustan sprechen oft von den "Salme di Qasroke", d.h. Götzen(anbeter) der Qasroke.

In einer Entfernung von etwa 4km östlich vom Dorf befindet sich im Berg auf der rechten Seite "i M'artho da 'ajobe" die Höhle der Wunder. Eine besonders komplexe und unendlich scheinbare, von vielen Sagen umwobene Höhle. Dessen Eingang wurde versperrt, um zu verhindern, dass Menschen oder Vieh sich darin verirren. 

In Sarhavdana, so der Name einer Landschaft, befinden sich die Überreste zweier Kirchen. Eine Mutter-Gottes-Kirche und Mor Osyo. Die genauere Gegend dieser beiden Kirchen trägt ebenfalls den Namen "Mor Osyo". Die Kirchen wurden vermutlich vom Tatarenkhan Timur Lenk und seine plündernden Horden, die um das Jahr 1400 Tur Abdin heimsuchten, zerstört. Südöstlich von Sarhavdana befinden sich in der Schlucht auf einen Hügel die Ruinen der Mor Esha'yo Kirche oder Kloster. Hier fand man vor einigen Jahren ein altes Weihrauchgefäß.

Die mystische Landschaft "Zini" befindet sich nord-westlich von Sarhavdana. Hier stößt man auf beeindruckende Ruinen einer alten Zivilisation, möglicherweise den Vorfahren der kusnoye. In hartem Felsengestein gehauene Höhlen, Brunnen und geheimnisvolle Bauten bezeugen eine große Vergangenheit.

Die "Harbe da Hadode", Ruinen der Schmiede, nord-westlich vom "Zini" gelegen, sind Ruinen eines alten Dorfes. Große Säulen aus hartem Gestein "geschmiedet", stehen hier inmitten der Häuser. Wände aus rechteckigen, tonnenschweren Steinen lassen die Bedeutung dieses Ortes erkennen. Die meisten Wände stehen noch fast vollständig aufrecht, die Decken hingegen sind alle eingestürzt. Über die Bevölkerung ist nichts bekannt. Die Kusnoye erzählen eine Legende über diesen Ort: Die Dorfbewohner sollen sich während einer Versammlung einstimmig gewünscht haben, dass ihre Häuser ihnen über ihre Köpfe einstürzen mögen. So soll es darauf geschehen sein.

Geht man weiter westlich den Berg hinauf, erreicht man die "Pirhavendo". Hier befinden sich, in zwei Stellen, ebenfalls alte Ruinen. Etwa 1960 versuchten die Familien von Beth Kasho-Danho und Beth Haushab diese Ruinen aufzubauen und zu besiedeln. Die Familie Beth Haushab war zum Teil angesiedelt. Bei Beth Kasho-Danho kam es zu Unstimmigkeiten innerhalb der Familie, weshalb das Vorhaben zunächst verschoben wurde. Später verschlechterte sich die Lage der Christen in der Türkei. Die Bevölkerung begann auszuwandern. So verließ auch die Familie Beth Haushab die Siedlung.

Die "Dayrinto" nennt man die kahle Bergseite nord-östlich vom Dorf. Hier befinden sich auch Überreste von alten Bauten, zu denen auch die Mor Shem'un Kirche gehört. Die Decke der Kirche ist eingestürzt. Die übrigen Ruinen dürfen viel älter sein als die Kirche. Dort sollen einst Menschen gelebt haben. Vor langer Zeit sollen die Kusnoye Tongefäße ausgegraben haben, die mit gelblicher Erde gefüllt waren. Da die damaligen Gräber hofften Goldschätze zu finden, zerstörten sie die Gefäße und gruben sie wieder ein.

Nord-westlich des Dorf, in einer Entfernung von drei bis vier Kilometern ist eine weitere Siedlung. Diese Siedlung wird "Beylo" genannt. Sie war bis etwa 1900 bewohnt. Einige Kusnoye-Familien lebten dort. Die Häuser und die Kirche sind inzwischen zerfallen. Die Familien mussten den Kurden ausweichen und zogen nach Beth Kustan zurück. Eine davon ist die Familie Beth La'go.

Die Bevölkerung

Die Vorfahren der Kusnoye sind vermutlich aus den verschiedenen umliegenden Siedlungen zusammengezogen. In einer mündlichen Überlieferung wird z.B. gesagt, dass die Väter der Hannokiye und Ishoqaytkiye, die Brüder Hanno und Ishok waren, welche aus der "Adro d-'amero" gekommen wären. Die Adro d-'amero nennt man eine, ca. 1km entfernte, nord-westlich vom Dorf gelegene Bergseite. Über die vorchristliche Glaube der Kusnoye gibt es verschiedene Meinungen. Manche gehen davon aus, dass die vorchristlichen Vorfahren der Kusnoye Götzenanbeter waren, weil die "Qasroke" ein Tempel solcher Götzenanbeter gewesen sein soll. Beth Kustan wurde wahrscheinlich wie viele andere Dörfer im Tur Abdin im 4. Jahrhundert christianisiert. Die Kirche Mor Eliyo ist auf das Jahr 343 datiert.

Seit dem Einzug des Islams ins Land mussten die Kusnoye ständig wachsam sein und die Übergriffe der Moslems, insbesondere ab dem 15. Jahrhundert, abwehren. Beth Kustan überdauerte viele Schicksalsschläge:
die Eroberung Tur Abdins durch die Araber um 640, die Herrschaft des Tatarenkhans Timur Lenk um 1400 und den Genozid im "Jahr des Schwertes" 1914/1915. Ihre Hartnäckigkeit brachte ihnen Hass und Anerkennung gleichzeitig. Kurdisch-islamistische Extremisten lauerten ihnen ständig auf um sie hinterhältig zu töten. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert töteten Kurden, wie "Ali Qut" Ali der Kurze, im Schutz der türkischen Politik, die Christen von Beth Kustan.

Nach 1960 begann die Emigration, zunächst nach Midyat und Istanbul und später ins Westeuropa und Skandinavien. Die Auswanderung hat das Dorf fast entvölkert. Gegenwärtig leben in Beth Kustan etwa 12 Familien. Gabriel Aktas ist der Pfarrer, Bürgermeister ist sein Bruder Ibrahim Aktas. Malfono Lahdo Acar leitet den Chor der Knaben und Mädchen.



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