|   |
Dayro d-Mor Gabriel | Das Kloster Mor Gabriel Hymnus:
Das Kloster Mor Gabriel, vor 1600 Jahren (397) von Samuel gegründet, zeichnet sich dadurch aus, dass es eines der ältesten, wenn nicht das älteste bestehende Kloster der Welt ist. Um mindestens 400 Jahre älter als eines der Athosklöster, reicht seine Gründung hinter die des Klosters Mar Saba in Palästina um etwa 80 Jahre und die des Katharinenklosters am Sinai um 150 Jahre weiter zurück. Das bedeutet, dass die Mönche und Nonnen des Klosters Mor Gabriel, die dort heute das monastische Gebet singen, eine Tradition fortsetzen, die, wenn man von einigen Perioden absieht, in denen das Kloster einem Überfall zum Opfer gefallen und für einige Zeit verwaist war, sich über einen Zeitraum von etwa 1500 Jahren erstreckt. Schon aufgrund dieses Umstandes verdient das Kloster Mor Gabriel von der gesamten christlichen Welt in Ehren gehalten zu werden. Für die Syrisch-Orthodoxe Kirche aber hat das Kloster eine besondere Bedeutung, da es ein Zentrum syrisch-orthodoxer Liturgiesprache und Tradition bildet. Über die Jahrhunderte hinweg sind viele berühmte Namen mit dem Kloster verbunden, wie Mor Aksenoyo (Philoxenos), Mor Shemun d-Zayte (Simeon von den Oliven), Mor Gabriel aus Beth-Kustan, dem das Kloster seinen gegenwärtigen Namen verdankt, und viele andere. Ein Zeugnis der Bedeutung des Klosters als kulturelles Zentrum über die Jahrhunderte hinweg stellen die vielen Manuskripte dar, die von hier ihren Weg in Bibliotheken des Westens gefunden haben. Ein frühes Beispiel dafür ist das schöne Estrangelo Manuskript, das die biblischen Bücher Esra und Nehemia enthält. Es wurde von einem gewissen Emmanuel im Herbst des Jahres 770 kopiert. Im Mittelalter befand sich dieses Manuskript, wie einige andere, die im Kloster entstanden waren, in der Bibliothek des syrischen Klosters in der Nitrischen Wüste. Heute befindet es sich in der British Library. Engel legten das Fundament Die Legende von der Gründung des Klosters Mor Gabriel findet man in der Lebensgeschichte der Heiligen Samuel und Simon. Diese beginnt so: Der heilige Samuel liebte die Einsamkeit. Deshalb zog er weiter weg vom Dorf und nahm Simon mit sich. Die beiden Heiligen wanderten in nordöstlicher Richtung. Während sie auf ihrem Weg Psalmen beteten, gelobten sie, dort ein kleines Kloster zu bauen, wo sie das ganze Buch der Psalmen beendet hätten. Als sie alle Psalmen gesungen hatten, waren sie, nur einen Steinwurf entfernt, bei den Ruinen eines heidnischen Tempels angelangt. Wie sie kurz zuvor versprochen hatten, blieben sie an dieser Stelle. Die beiden Heiligen, die von ihrer Wanderschaft sehr müde waren, fielen in einen tiefen Schlaf. Sie nahmen sich vor, beim Anbruch des Tages mit der Errichtung ihres Klosters zu beginnen. Als sie in tiefem Schlaf versunken waren, erschien dem Simon ein Engel des Herrn in der Gestalt des heiligen Samuel: "Simon, mein Sohn, steh auf! Lasst uns das Fundament für das Kloster legen!" Simon stand auf und ging mit dem Engel. Der Engel wies auf einen Stein im Westen und sagte: "Das soll das nördliche Tor sein." Der Engel bezeichnete dann einen Stein in südlicher Richtung und sagte: "Und das soll das südliche Tor sein." Nachdem der Engel und der heilige Simon das Fundament gelegt hatten, kehrten sie zu dem Platz zurück, wo Samuel schlief. Der heilige Simon legte sich wieder schlafen ohne bemerkt zu haben, dass es ein Engel gewesen war. Dann wachte der heilige Samuel auf. Sobald er sein Gebet beendet hatte, weckte er den heiligen Simon auf und sagte: "Steh auf, mein Sohn, lasst uns Steine sammeln, die wir brauchen, um das Haus des Gebetes zu bauen." Der erschöpfte Schüler aber sagte: "Meister, die ganze Nacht haben wir gearbeitet und das Fundament gelegt. Wir haben doch drei Steine als Markierung an verschiedenen Stellen aufgestellt." Als er das hörte, begriff er, dass Simon eine Erscheinung gehabt hatte. Er sagte: "Gut, dann gehen wir zu diesem Platz und setzen unsere Arbeit fort." Als sie dort ankamen, sah der greise heilige Samuel den Stein in der Luft schweben und hatte eine große Freude. Sie begannen miteinander mit der Errichtung des Hauses des Gebetes. Quellen:
|