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Beth-Kustan und der Völkermord (aramäisch Sayfo) Der Genozid an den Christen der Türkei Im zerfallenden osmanischen Reich benutzten die herrschenden Jungtürken den Ersten Weltkrieg, um die christliche Bevölkerung des Landes, die Armenier, Aramäer (Suryoye) und Griechen zu vertreiben und zu vernichten, weil sie diese als Haupthindernis für eine erfolgreiche Nationalstaatsgründung ansahen. Es ist der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts. Etwa 1,5 Millionen Armenier und 500.000 Aramäer (Suryoye) fanden dabei den Tod. Die heutige Türkei bestreitet allerdings vehement diesen Genozid. Die schlimmen Ereignisse brachten den Christen im Tur Abdin viel Leid, Verwüstung und Tod. Die Jungtürken, Kurden und sonstige fanatische Moslems ermordeten in Zusammenarbeit die christliche Bevölkerung auf bestialische Weise. Zu dieser Zeit lebten 120 Familien in Beth-Kustan. Bürgermeister des Dorfes war Yuhanun von der Familie Beth-Yahko. Noch bevor der Krieg in Hah begann, kam Haco, ein kurdischer Aga aus einem Nachbardorf, nach Beth-Kustan um die Dorfbewohner auf die bevorstehende Gefahr hinzuweisen. Durch seine Bitten bewirkte er, dass die moslemischen Angreifer zuerst das Dorf Zaz angriffen und nicht Beth-Kustan. Dadurch gewann er Zeit um die Bevölkerung des Dorfes vor dem Angriff zu warnen. So flüchteten sie alle, mit Ausnahme von zwei älteren Leuten ins Nachbardorf Hah. In der "Burg von Hah" fanden sie Zuflucht. Etwa 2000 Christen schlossen sich in dieser Burg ein. Mehr als 200 tapfere Männer beider Dörfer leisteten Widerstand gegen die Kurden. Nach dem Krieg mussten sie, wie alle Christen aus dem Tur Abdin, für die Kurden schwere Arbeit verrichten. Es war eine mühsame Art, ihr Brot zu verdienen. Ihr Leben hing von der Lust und Laune der Kurden ab. Viele von ihnen wurden dabei getötet. Mädchen wurden gewaltsam mit Moslems verheiratet. Manche flüchteten davor und wurden auf ihrer Flucht ermordet. Noch war es nicht möglich ins Dorf zurückzukehren. Erst Chalabi Aga, ein kurdischer Führer, erteilte ihnen die Erlaubnis zurückzukehren. Nach sieben Jahren kehrten sie mit spärlichen Mitteln ins Dorf Beth-Kustan zurück, um zu säubern und wieder herzustellen, was zugrunde gegangen war. Doch bevor alles wieder hergestellt werden konnte, klopften Hungersnot und Armut, verursacht durch den Zweiten Weltkrieg, an die Tür. Zudem wurden die Christen zusätzlich mit hohen Steuerzahlungen an den türkischen Staat belastet um ihnen weiterhin jegliche Lebensgrundlage zu nehmen. Auch mussten sie jahrzehntelang Schutz- und Erpressungsgelder an die Kurden und türkische Armee zahlen, um von diese nicht grundlos getötet oder verhaftet zu werden. Schlimme Jahre standen den Dorfbewohnern Beth-Kustans bevor und es brauchte lange Zeit bis die durch den Krieg verursachten Wunden verheilt waren und die Folgen der Tragödie sich gelegt hatten. Haco und die Bevölkerung von Beth-Kustan Haco war ein kurdischer Aga von der Familie Khortek aus einem nahegelegenen Dorf. Er pflegte tiefe Freundschaft zu den Christen von Beth-Kustan. Als der Völkermord begann lenkte er die plündernden und mordenden Horden der Kurden vom Dorf ab um die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen. Vom Berghang südlich des Dorfes rief er den Menschen hinunter, dass die Armee unterwegs sei um sie zu töten. Berichten von damaligen Menschen zufolge hat Haco etwa folgendes gerufen: "Brawo meine Christen, Brawo! Die Arme ist unterwegs um euch zu töten. Ich kann euch nicht helfen. Beeilt euch, lauft weg!" Beim Begriff "Brawo" handelt es sich um einen Todesruf, den Trauernde dort bei Begräbnissen beim Weinen um ihre Toten ausrufen. Auf Hacos Warnung hin verließ die Bevölkerung schlagartig das Dorf und floh in die Burg des Nachbardorfes Hah. Haco schimpfte noch mit dem damaligen Muhtar, dass er die Bevölkerung nicht eher gewarnt und in Sicherheit gebracht habe. Ein Kusnoyo berichtete später über dieses Ereignis Ein Mann arbeitete auf dem Feld außerhalb des Dorfes und hatte von Hacos Warnung nichts mitbekommen. Als er nach Hause kam, fand er ein leeres Dorf vor. Er vermutete, die Menschen seien in der Kirche. Also machte er sich auf den Weg zum Gotteshaus. In der Nähe der Kirche hörte er das Geräusch des Stockes eines langsamen Fußgängers. Er folgte dem Geräusch und traf auf seine alte Mutter. Sie versuchte sich auch nach Hah zu retten. Die Frau war alt und gebrechlich und kam nur mühsam voran. Als er sie ansprach, erschrak sie. Sie erzählte ihm hastig was vorgefallen war und dränge ihm, dass er sich schnell nach Hah retten soll. Daraufhin nahm er die alte Frau auf den Rücken und trug sie bis nach Hah. Unterwegs forderte sie ihn mehrmals auf sie stehen zulassen und sich zu retten. Er aber setzte seinen ca. 5km weiten Weg fort, mit seiner Mutter auf dem Rücken, bis sie die Burg in Hah erreichten. Zwei ältere Leute erkannten die Gefahr nicht und blieben trotz der Warnung Hacos im Dorf. Die Kurden fielen kurz darauf über das Dorf her, plünderten und stahlen alles, was sie vorfanden. Sie töteten dabei die zwei alten Menschen. Noch heute verfluchen die Kurden aus den Nachbardörfern Hacos Namen dafür, dass er die Christen von Beth-Kustan gewarnt hatte. Sein Enkel, der ebenfalls Haco hieß und nach ihm benannt war, wurde aus Rache dafür vor ca. 30 Jahren von den Kurden aus dem Dorf "Roware" ermordet.
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