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Tur Abdin
Der Tur Abdin liegt wie eine Perle inmitten der Regionen von Mardin, Hasankeyf
(Hesno d-Kifo), Cizre und Nusaybin (Nsibin).
Für die syrischen Christen ist er mit bedeutenden Fakten ihrer Geschichte verbunden. Ihre Verwurzelung in der Vergangenheit manifestiert sich in weithin sichtbaren Kirchen und Klöstern, die von Weinbergen und Gärten
umgeben sind; ebenso in den zahlreichen Werken der Literatur, geschrieben und studiert in diesen Klöstern. Der Geist der alten syrischen Melodien und Lieder liegt bis zum heutigen Tag über diesem Gebiet. |

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Kein Historiker bestreitet, dass der Tur
Abdin, wie andere syrisch-christliche Regionen innerhalb Mesopotamiens, eine tief verwurzelte Kulturgeschichte hat, die Hunderte von Jahren vor der Christianisierung begann. Ob vorchristlich oder christlich, der Tur Abdin nimmt in der ursprünglichen syrischen Kultur einen breiten Raum ein. Inmitten der widrigen Erfahrungen, die die strategische Lage der Region mit sich bringt, hat die syrische Kultur einen Jahrtausende alten traditionellen Lebensstil bewahrt.
Im Verlauf längst vergangener Zeiten siedelten sich im Tur Abdin verschiedene Völker an und bekämpften sich gegenseitig, aber das Land verrät seine alten Bande mit den syrisch sprechenden Völkern durch die Etymologie
seiner Ortsnamen. Der Patriarch Aphrem Barsaum schreibt, dass dort bis zu 150 Siedlungen mit syrischen Wurzeln ihrer Ortsnamen gewesen sein mochten. Die meisten syrischen Geschichtsquellen erwähnen jedoch insgesamt 243 Siedlungen (Städte, Dörfer und Weiler) im Tur Abdin mit im Kern syrischen
Namen.
In Bezug auf die allgemeine Geschichte des Christentums kommt dem Tur Abdin eine große Bedeutung zu. Bald nach den Anfängen des Christentums, nachdem Antiochien und Edessa das Evangelium erhalten hatten, erhielt die
lebensspendende Kraft Jesu Christi dieses Land. Die Syrer des Tur Abdin bauten ihrer Tradition gemäß in der ganzen Gegend Kirchen und Klöster. Beispiele dafür haben sich erhalten - Klöster und Kirchen und ihre Ruinen, ein vitaler Zweig der syrischen Zivilisation, zusammengewachsen aus den Einflüssen mesopotamischer, altgriechischer und christlicher schöpferischer Künste. Die geistlichen Schulen an Kirchen und Klöstern verbreiteten den religiösen Einfluss, fast immer ohne äußere Hilfe und unbehindert vom Schwert der weltlichen Macht. Der Glanz der Gelehrten, die auf Syrisch, Persisch und Griechisch lehrten, spiegelt sich auf den Seiten der orientalischen Geschichte wider. Im Laufe der Geschichte hat der Tur Abdin hunderte geistliche Führer und bedeutende Gelehrte für die Kirche
hervorgebracht. Die unauffälligen antiken Ruinen überschreiten den bloß historischen und kulturellen Wert. Sie vermitteln einen spirituellen Schatz und die Erfahrung von Jahrhunderten.
Ständig erzählen sie von Zerstörung und Problemen, die das Land zu bewältigen hatte. Der Tur Abdin als Kreuzungspunkt verschiedener Reiche war Schauplatz vieler Kriege, Überfälle und Angriffe. Das römische Reich, Persien, arabische Mächte und andere kamen, regierten und verschwanden, nicht ohne tiefe Wunden zu hinterlassen.
 Tur Abdin - Landkarte angefertigt von
Deutschen Soldaten im Jahre 1917. Manche Ortschaften sind vertauscht.
Wenn wir objektiv auf die Geschichte blicken, müssen wir uns die Auswirkungen dieser Erinnerung vergegenwärtigen und dürfen ihre Realität nicht verleugnen. Mit dem Eindringen des Islam in den Tur Abdin nahmen die Schwierigkeiten für die Bewohner zu. Die herrschenden islamischen Mächte reagierten oft mit Feindschaft auf die Standhaftigkeit der Christen in ihrem Glauben. Ihre Absicht, die Bevölkerung nach Möglichkeit zu islamisieren, blieb nicht ohne Auswirkung. Vom 6. bis zum 11. Jahrhundert gab es nur eine Erzdiözese im Tur Abdin mit dem Sitz im Kloster Mor Gabriel (errichtet im Jahre 397). In der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts erhöhte sich die Zahl auf drei und nach 1364 waren es sieben. Die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg sahen die Entwicklung schlimmer Ereignisse. Während und nach dem Krieg wurden die komplexen Probleme immer drückender, was zu Massenvertreibungen und zur Abwanderung syrischer Christen aus der Gegend führte. 1923 reorganisierte Patriarch Elias der Dritte alle Diözesen unter den antiken Metropolitansitz des Tur Abdin. Die Diözese steht gegenwärtig unter der Leitung des Metropoliten Erzbischof Mor Timotheos Samuel Aktas (aus Beth Kustan).
Sollte der Tur Abdin mit seinen tief verwurzelten kulturellen und geschichtlichen Schätzen der Vergessenheit anheimfallen, wie andere syrische Kulturregionen, wird es ein schmerzlicher Verlust für das Christentum im allgemeinen, aber besonders für die syrische Kultur sein. Die Landschaft des Tur Abdin mit seiner dramatischen Geschichte voller Wolken, dunklen Schatten und hellem Licht fordert uns zu einer Antwort heraus. Die Vergangenheit mit den Zeiten der Wunder, die
sich von den Aposteln her erstrecken, fordert uns heraus, für eine Erneuerung unseres Glaubens an Jesus Christus, unseres Denkens und unseres Lebens im Tur Abdin zu arbeiten. Und während wir tätig sind, allen Widrigkeiten zum Trotz, sollen wir mit Gottes Hilfe eine bessere Zukunft erwarten.
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